Aktuelle Texte

Lasse ich dich näher

I

Lasse ich dich näher
Und dann gehst du
Wirst gegangen

Wie kann ich hoffen
Wie könnte ich nicht

II

Du sagst:

Nicht wegen, sondern trotz.
Und du läufst über die Scherben.

Noch weißt du nicht, dass auch das, was sich vielleicht nie zusammensetzen lässt, dir einen Boden bietet, der dich und dein Trotzdem trägt.

III

Manchmal schreibst du Briefe von morgen.

Manchmal
Schreiben sie zurück.

IV

Tausend Kreise ziehen weiter
Alles ist nun Umlaufbahn
Unten hock ich auf der Leiter
Dem Unverwandten Untertan

V

Und als du begreifst, dass nichts perfekt ist und perfekt sein muss, stellst du die Leiter beiseite und lässt die Zeit herein.

Für dich und für mich

Ein bisschen weniger vom

Richtig-und-Falsch
Und vom Gut-für-den-Anderen

Und ein bisschen mehr vom
Gesund-für-Mich

Das
Wünsch‘ ich mir heute

Für mich
Und für dich

 

Vom Zu-Groß

Gestern wagte ich mich

An mein
Zu-Groß

Machte mich klein
Und kleiner
Machte mich bloß

Ging noch zehn Meter weiter
Machte mich kleiner

Und fand in der Blöße
Den Mut
Und die Größe

Zu den
Zu großen Sachen
Zu stehen

Vielleicht auch
Doch nie nur

Um morgen

Zu ihnen und für sie
Zu gehen

Stille teilen

Wir sprechen immer

Vom Ankommen
Und Reisen

Von dem was fehlt
Und dem was bleibt

Bis
Oh wie zufrieden
Und
Oh wie leicht

Heute:

Habe ich nichts zu sagen

Außer:

Zwischen zwei Tagen
Reichen wir uns die Hände

Und:

Meine Stille reicht

Freiheit X

Heute singe ich dir ein Lied
Von der Freiheit

Einer Freiheit
Die Handschuhe trägt
Aus nacktester Seide

Wenn sie Handschuhe trägt

Einer Freiheit
Die Angst hat
Manchmal

Weil sie treu ist
Und dich mit einschließt
Und dich niemals einschließen könnte

Ich spreche von einer Freiheit
Die wählen kann
Und es auch tut

Die liebt
Und weiter liebt
Auch wenn sie geht

Die weh tut
Manchmal
Den Atem nimmt
Und bei jedem Schritt
Nach vorne
Einen neuen Zug erzwingt

Ich spreche von einer Freiheit
Die zieht
Und presst
Und drückt
Und: Hebt

Weil dieses Morgen ruft
So unerkannt
So nah

Ich spreche von einer Freiheit
Die spricht
Wenn sie singt

Und die verwirrt ist
Manchmal

Wenn sie nichts weiß
Vom Davon
Und Dafür

Drachenzeit

Leeres Schlüsselbund
Macht Türen auf

Leere Hände
Leerer Mund

Bin so oft gestorben
Knochenwund –

Meine Liebe
Bin so weit

Bin so weit
Drachenzeit

Heldenseele

I

Niemand kann sagen
Wie viel Wille hier ist

Nicht mal du

Und mit jedem Atemzug
Kannst du dich rufen

An diesen Ort
Wo soviel Wille ist –

II

Und du weißt noch nicht wohin
Mit diesen kleinen Tierchen
Die im Unterholz sich tummeln
Und die nagen und die zwicken
Und dem so entgegenstehen

Und du fragst dich
Ob du dich bücken musst
Oder ob du, wenn du stehst
Sie laufen lässt
Du weiter in den Himmel schauen kannst
Und darfst
Und willst

III

Totgekriegt hat dich
Noch keiner
Und nichts

Ich erinnere mich:

Die Angst tropfte
Aus dem Kreuz und
Bodenlos war das
Schon lange

Was du lernst:

Dass heute
Nicht mehr gestern ist
Und selbst wenn
Sich nichts verliert:

Totgekriegt hat dich
Noch keiner
Und nichts

IV

Und dann baust du dir ’nen Boden
Nimmst das morscheste Holz
Das sie finden konnten

Und du pflegst es und alle sagen:
Das geht nie.
Und Holz
– Hallo?
Und morsches
– Macke?

Und du scheißt drauf
Und dein Bauch tut dir echt weh
Und du gehst weiter
Guckst nach unten
Und gehst weiter –
Manchmal weißt du gar nicht:
Wozu
Eigentlich?

Doch heute, da weißt du
Und bist froh,
Dass du auch das geschrieben hast.

Und du weißt, dass die Abgründe
Die du kennst
Die muss erstmal einer kennen
Und du hast dich rausgezogen

Und irgendwann baut sich einer ’nen Boden
Und du bist dabei und weißt darum

V

Dass du mal an diesen Ort kommst –

Wie hieß das: „Mein schönstes Gedicht?
Aus tiefsten Tiefen stieg es. Ich schwieg es.“*

Du magst das nicht und fragst dich, ob es Dinge gibt, für die die Worte nicht reichen und auf die man trotzdem zeigen kann und muss.

(* Zitat von Mascha Kaléko)

Vom Meer

I: Was mir das Meer ist

Das Meer ist mir Mutter
Und Vater
Und Kind

Ist mir Mond
Schiefer
Sonne
Und Sterne

Das Meer ist mein Mehr
Und ist mein Genug

II: Was mir das Meer nicht ist

Was mir das Meer nicht ist
Kann ich mir nicht sein

Oder du

Was das Meer dann tut?
Es bleibt in Bewegung

Es bleibt.

Von Momenten

So oft laufen wir

Rennen!

Im Links und im Rechts
Im Oben und Unten
Im Hinten und Vorn

Und wir wissen:

Es ist der Moment
Der zählt
Und ohne ihn haben wir
NICHTS.

NICHTS!

Weil eh nichts bleibt
Und was irgendwann weg ist
Wollte doch wenigstens:

Genossen werden

Nicht?

Und ich liege bei dir:
Und ich denke ans Morgen
Ich liege ohne dich:
Und denke ans Gestern

Und ich frage mich:

Wenn das wahr ist
Und es ist dieses:

Der Moment.
Der Moment.
Der Moment.

Wenn das wahr ist
(Und das ist es!)

Wo sind wir dann
immer?

Was wir erkennen:

Wo wir einst nicht sein konnten
Finden wir heute zurück

Vom Unerträglichen
Moment
Zum Erträglichen

Vom Erträglichen
Zum Ertrag

Vom Ertrag:

Zu dir
Und zu mir
Und zu uns

Allen.