Aktuelle Texte

Heldenseele

I

Niemand kann sagen
Wie viel Wille hier ist

Nicht mal du

Und mit jedem Atemzug
Kannst du dich rufen

An diesen Ort
Wo soviel Wille ist –

II

Und du weißt noch nicht wohin
Mit diesen kleinen Tierchen
Die im Unterholz sich tummeln
Und die nagen und die zwicken
Und dem so entgegenstehen

Und du fragst dich
Ob du dich bücken musst
Oder ob du, wenn du stehst
Sie laufen lässt
Du weiter in den Himmel schauen kannst
Und darfst
Und willst

III

Totgekriegt hat dich
Noch keiner
Und nichts

Ich erinnere mich:

Die Angst tropfte
Aus dem Kreuz und
Bodenlos war das
Schon lange

Was du lernst:

Dass heute
Nicht mehr gestern ist
Und selbst wenn
Sich nichts verliert:

Totgekriegt hat dich
Noch keiner
Und nichts

IV

Und dann baust du dir ’nen Boden
Nimmst das morscheste Holz
Das sie finden konnten

Und du pflegst es und alle sagen:
Das geht nie.
Und Holz
– Hallo?
Und morsches
– Macke?

Und du scheißt drauf
Und dein Bauch tut dir echt weh
Und du gehst weiter
Guckst nach unten
Und gehst weiter –
Manchmal weißt du gar nicht:
Wozu
Eigentlich?

Doch heute, da weißt du
Und bist froh,
Dass du auch das geschrieben hast.

Und du weißt, dass die Abgründe
Die du kennst
Die muss erstmal einer kennen
Und du hast dich rausgezogen

Und irgendwann baut sich einer ’nen Boden
Und du bist dabei und weißt darum

V

Dass du mal an diesen Ort kommst –

Wie hieß das: „Mein schönstes Gedicht?
Aus tiefsten Tiefen stieg es. Ich schwieg es.“*

Du magst das nicht und fragst dich, ob es Dinge gibt, für die die Worte nicht reichen und auf die man trotzdem zeigen kann und muss.

(* Zitat von Mascha Kaléko)

Vom Meer

I: Was mir das Meer ist

Das Meer ist mir Mutter
Und Vater
Und Kind

Ist mir Mond
Schiefer
Sonne
Und Sterne

Das Meer ist mein Mehr
Und ist mein Genug

II: Was mir das Meer nicht ist

Was mir das Meer nicht ist
Kann ich mir nicht sein

Oder du

Was das Meer dann tut?
Es bleibt in Bewegung

Es bleibt.

Von Momenten

So oft laufen wir

Rennen!

Im Links und im Rechts
Im Oben und Unten
Im Hinten und Vorn

Und wir wissen:

Es ist der Moment
Der zählt
Und ohne ihn haben wir
NICHTS.

NICHTS!

Weil eh nichts bleibt
Und was irgendwann weg ist
Wollte doch wenigstens:

Genossen werden

Nicht?

Und ich liege bei dir:
Und ich denke ans Morgen
Ich liege ohne dich:
Und denke ans Gestern

Und ich frage mich:

Wenn das wahr ist
Und es ist dieses:

Der Moment.
Der Moment.
Der Moment.

Wenn das wahr ist
(Und das ist es!)

Wo sind wir dann
immer?

Was wir erkennen:

Wo wir einst nicht sein konnten
Finden wir heute zurück

Vom Unerträglichen
Moment
Zum Erträglichen

Vom Erträglichen
Zum Ertrag

Vom Ertrag:

Zu dir
Und zu mir
Und zu uns

Allen.